ivonne fernandez y gonzalez

Abschlusspräsentation des ersten Projektes im Rahmen der „Bündnisse für Bildung“ des BBK Unterfranken in der BBK-Galerie im Kulturspeicher

 

Der Berufsverband Bildender Künstler Unterfranken e.V., die Kinder der Mönchbergschule und die Künstlerin Ivonne Fernández y González laden Sie herzlichst zur Eröffnung der Projektpräsentation des ersten „Bündnisse für Bildung“-Projektes ein.

 

Am Freitag den 28.02.2014 um 16.00 Uhr in der BBK-Galerie im Kulturspeicher

präsentieren wir die Videoarbeit, Bilder und Fotoarbeiten aus dem Projekt.

 

Die Künstlerin Ivonne Fernández y González hat mit Kindern der Integrationsschule Mönchbergschule ein halbes Jahr lang regelmäßig gearbeitet. In der Zeit sind eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeiten der Kinder entstanden und wir freuen uns darauf diese der Öffentlichkeit zu präsentieren.

 

Mit dem Kunstprojekt suchten die Kinder einen spielerischen Zugang zur Kunst und zum  Umgang mit neuen Medien. Den Projektschwerpunkt legte die Künstlerin darauf, den Kindern verschiedene Formen des künstlerischen Ausdrucks, wie auch Kompetenzen der sozialen Interaktion in der Gruppe nahe zu bringen. Pädagogische Unterstützung bei dem Projekt leisteten  die Pädagogen Frank Grohmann und Beatrix Bayerle von der Evangelischen Jugend.

Die Projekte der „Bündnisse für Bildung“ sind darauf ausgelegt mindestens drei Partner zusammenzubringen um Projekte mit Kindern und Jugendlichen zu fördern, welche keinen direkten Zugang zu verschiedensten Formen der Kunst haben. Die Projekte werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

 

Wir präsentieren Fotografien, die den Projektverlauf dokumentieren und von den Kindern selbst geschaffene grafische Werke.  Auch wurde ein „Youtube-Videoclip“ von den Kindern produziert.

 

Im Anschluss an die Präsentation laden wir Sie und alle Interessierten aus Kultur-, Sozialarbeit und Politik zu einem Austauschgespräch zum Projekt und der Kulturarbeit mit Kindern und Jugendlichen ein. Denn „Kultur macht stark!“, so dass Motto der Bündnisse für Bildung. Dazu braucht es aber auch starke Netzwerke zur Kulturvermittlung.

 

Bildergalerie - Präsentation in der BBK Galerie

Bildergalerie - Projektverlauf

Intention des Projekts

 

Bei Kindern und Jugendlichen mit ausgeprägtem Sprachförderungsbedarf und einer schwierigen Hintergrundgeschichte ist der Zugang zur Sprache durch eine außerschulische Aktivität oft leichter zu erreichen als durch "strengen Sprachunterricht". Der Jugendliche, sobald er sich für eine Aktivität interessiert, WILL sich der Gruppe sprachlich mitteilen.

Da es sich um eine kreative Tätigkeit handelt, wird den Jugendlichen auch die Möglichkeit gegeben, sich mit ihrer eigenen Geschichte (z.B. Auswanderung, Flucht, schwieriger Aufenthaltssituation) auseinanderzusetzen und diese mitzuteilen. Das stärkt das Bewusstsein für die eigenen inneren Prozesse.

 

Durch die Herstellung und Bearbeitung von Kurzfilmen die eine kritische und/oder humoristische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und individuellen Themen behandeln wird ein aktiver, kreativer Umgang mit den neuen Medien statt eines passiven Konsums derselben gefördert. Während der Durchführung des Kurses wird eine neue, nachhaltige und aktive Tätigkeit den Mädchen und Jungen vermittelt, außerdem erfolgt eine Förderung ihrer sprachlichen und Psycho-sozialen Kompetenzen. Neue kulturelle Einrichtungen wie die BBK Galerie, das Jugendkulturzentrum Immerhin und das Central-Kino werden ihnen näher gebracht, neue kreative Ausdruckstechnicken wie intuitive Malerei (Kulissen), Schauspiel, Maskenbildnern, Foto- und Videobearbeitung werden erlernt.

 

Durch die Zusammenarbeit in einer Gruppe werden die sozialen Kompetenzen gefördert, durch die Auseinandersetzung mit bestehenden Webinhalten die Analysefähigkeit und kritische Wahrnehmung derselben. Sprachliche, organisatorische und technische Kenntnisse werden durch das Auseinandersetzen mit der Produktion eines Videos und dessen Präsentation vor Publikum gefördert. Das "sichtbar machen" der Gruppeneigenen Interessen, sowie der individuellen Geschichte ist in sofern positiv zu sehen da es den Jugendlichen vermittelt, dass aktive, konstruktive und kreative Arbeit wie auch die kreative Auseinandersetzung mit der individuellen Lebensgeschichte zu einem befriedigenden psycho-sozialem Resultat führt.

 

Die entstandenen Ergebnisse werden vor Publikum präsentiert. Das Zugehörigkeitsgefühl zur Gemeinschaft wird verstärkt, positives Feedback der Gemeinschaft stärkt die Motivation und das Selbstwertgefühl. Auch hilft die öffentliche Präsentation der Ergebnisse beim Abbau von gegenseitigen Vorurteilen - die der Kinder/Jugendlichen gegen kulturelle Einrichtungen und die der Bildungsbürger gegen bildungsferne Kinder/Jugendliche mit Sprachförderungsbedarf und Migrationshintergrund.

 

 

Kunstpädagogische Ziele

 

  • den Spracherwerb fördern
  • soziale Kompetenzen stärken
  • verschiedene kreative Ausdruckstechniken erlernen und anwenden
  • einen verantwortungsbewussten Umgang mit Internetinhalten fördern
  • einen verantwortungsbewussten Umgang mit Gegenständen fördern
  • die Einplanung eines Budget näher bringen
  • Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen und Hilfsbereitschaft fördern
  • das Erkennen von eigenen und fremden Grenzen nahe bringen
  • die Entwicklung einer Gesprächskultur fördern
  •  den Zugang zur eigenen Lebensgeschichte fördern
  • Organisationsfähigkeiten und Frusttoleranz  fördern
  • Selbstwertgefühl stärken durch positives Feedback der Gemeinschaft
  • Selbstwertgefühl stärken durch die Freude am erlangten Resultat
  • Vorurteile abbauen

 

 

Zusammensetzung der Gruppe

 

Die Zielgruppe sind bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche (Mädchen und Jungen) mit Sprachförderungsbedarf, deren Muttersprache eine Andere ist als deutsch, mit verschiedenen religiösen Konfessionen im Alter von 10-15, die bisher einen eher passiven Umgang mit den Neuen Medien gewohnt sind und aus komplizierten sozialen Verhältnissen stammen (Asylbewerber, bildungsfernes Elternhaus, Migrationshintergrund) und daher neben dem Sprachförderbedarf auch im Bereich der sozialen Kompetenz starken Förderbedarf haben, da manche von ihnen bisher noch nie eine Schule besucht haben und zusätzlich oft starker emotionaler und psychischer Belastung ausgesetzt waren und noch sind.

Projekt der Woche

Die Resonanzen vor allem der Kinder und Jugendlichen sind durchweg positiv; oftmals kommen sie zum ersten Mal mit Kunst und Kultur in Berührung. Der Projektleiter des BBK, Werner Schaub, hat zahlreiche Projekte bereits besucht, unter anderem ein gutes Beispiel des BBK Unterfranken. Erläuterungen dazu von der Künstlerin Ivonne Fernández y González:

 

 

Der YouTube-Videokurs in Würzburg

 

Bei diesem Projekt werden Schülern der Integrationsschule Mönchbergschule verschiedene Techniken des Kurzfilms beigebracht. Bis jetzt haben wir (die Künstlerin Ivonne Fernández y González und der Sozialpädagoge Frank Grohmann) mit den Kindern Animationen gezeichnet, Stopp-Motion-Szenen gedreht und verschiedene Veranstaltungen der Schule filmisch dokumentiert. Zurzeit arbeiten wir an einem Kurzfilm, der den Unterschied zwischen „Höflich“ und „Unhöflich“ zum Thema hat. Dafür kommen Verkleidung und Schauspiel zum Zug wie auch das Basteln von Handpuppen.

 

„Höflich“ und „Unhöflich“... Die Schüler der Mönchbergschule kommen aus dem gesamten Landkreis Würzburg, denn hier befindet sich die einzige Integrationsschule der Region. Dadurch haben manche Kinder Anfahrtswege von bis zu 40 km -  sie stehen um 5 Uhr morgens auf und kommen um 18 Uhr zurück nach Hause, wenn sie denn ein Zuhause haben. Denn manche Kinder wohnen in Asylbewerberheimen, bei einigen droht die Abschiebung. Das bekommen die Kinder natürlich mit. In der Projektgruppe haben die Mehrheit der Kinder Kriegserlebnisse, Flucht und Gewalt erfahren müssen. Verhaltensauffälligkeiten und soziale Schwierigkeiten sind dadurch vorprogrammiert.

In der Arbeit mit der Gruppe gibt es noch eine weitere Herausforderung: Alle Kinder haben eine andere Muttersprache als Deutsch, sie lernen die deutsche Sprache also noch. Auch haben manche der Kinder noch nie eine Schule besucht. Deshalb ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts, mit den Kindern grundlegende Sozialstrukturen und soziale Verhaltensweisen durchzugehen, diese zu erklären und zu üben. Darauf beruht auch das Thema des Kurzfilms „Höflich und Unhöflich“.

In anderen Projekteinheiten versuchen wir, den Kindern durch den künstlerischen, kreativen Ausdruck die Möglichkeit zu geben, verschiedenen negativen und unangenehmen, inneren Prozessen und Erlebnissen anders zu begegnen als mit Wut – nämlich mit dem Kanalisieren dieser Wut in ein Werk.

Im Laufe des Projekts wurde uns von Seiten der Kinder ein schönes Kompliment zuteil – nämlich dass wir sie so akzeptieren, wie sie sind. Genau das wollen wir, und wir wollen auch den Kindern zeigen, dass sie sich selbst so akzeptieren sollten, wie sie sind. Es war auffallend, welch negatives Selbstbild viele der Kinder haben, was in Anbetracht ihrer oft traurigen Lebensumstände nicht verwundert.

Bei der Präsentation der Ergebnisse in der BBK-Galerie freuten sich die Kinder über das positive Feedback für ihre Arbeit. Auch bei der Präsentation des Films im Theatersaal der Schule erhielten die Kinder motivierende Rückmeldungen. Solche Erlebnisse und der angenehme Stolz auf die Ergebnisse der eigenen aktiven Arbeit stärken das Selbstbewusstsein der Kinder, und manche von ihnen filmen nun auch privat gerne. Wir glauben, dass wir den Kindern für ihre weitere Zukunft verschiedene Wege zur konstruktiven Bewältigung von Schwierigkeiten mit aufzeigen.